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Wie Essen in Schule und Kindergarten verbindet

Wie Essen in Schule und Kindergarten verbindet

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Agrarmareketing Tirol
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Akteur:innen trafen sich zu Fortbildung und Austausch über nachhaltige Ernährungskultur

Vergangenen Freitag, den 26. März 2026, trafen sich 60 Akteur:innen der Esskultur an Schulen, Kindergärten und Kinderkrippen zu Fortbildung und Austausch an der PH Tirol: Der Fachdialog des kinder.kulinarik.weg.tirol zum Thema „Mehr als satt! Essen verbindet“ widmete sich dem Thema der nachhaltigen Ernährungskultur in Bildungseinrichtungen und brachte Pädagog:innen, Köch:innen, Fachkräfte der Schulentwicklung und Verwaltung mit Ernährungsexpert:innen zusammen. 

Wie kann es – auch unter herausfordernden Rahmenbedingungen, wie Essen bei Zeitknappheit und vielen Kindern – gelingen, eine nachhaltige Ernährungskultur an Schulen und elementaren Bildungseinrichtungen zu etablieren, die eine Atmosphäre des Wohlfühlens rund ums Essen schafft? Wie lässt sich das gemeinsame Essen zwischen Beziehung, Werten, Empfehlungen und Regeln gestalten? Darf man beim Essen reden? Mit solchen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmer:innen des Fachdialogs des kinder.kulinarik.weg.tirol, einer Fortbildungsveranstaltung mit Vernetzung und Austausch, zum Thema „Mehr als satt! Essen verbindet“. 

Verpflegung in Bildungseinrichtungen soll – so die Organisator:innen der Fortbildung – mehr sein als reine Nahrungsaufnahme. Die Gestaltung einer nachhaltigen Ernährungskultur in Schulen und elementaren Bildungseinrichtungen kann demnach einen Beitrag zum Wohlbefinden, zur persönlichen Entwicklung, zur Gesundheitskompetenz und zur Bildungsqualität leisten. Kinder sollen damit eine lebendige Verbindung zu Gemeinschaft, Umwelt und Landwirtschaft erleben können.

Im Sinne eines Whole System Approach, eines ganzheitlichen Ansatzes, wurden im Rahmen des Fachdialogs all jene Akteur:innen miteinander in Kontakt gebracht, die für Essen und Ernährungsbildung an Bildungseinrichtungen zuständig sind: Essbegleiter:innen am Mittagstisch, Lehrer:innen, Pädagog:innen und Ernährungsexpert:innen, die an den Einrichtungen Ernährungsbildungsimpulse setzen, Bauern und Bäuerinnen, Verpfleger, die das Mittagessen kochen oder auch die Jause bereitstellen, Erhalter wie Gemeinden, die für Infrastruktur und Finanzierungen verantwortlich sind.

Fachlichen Impulse wurden von Diätologin Alice Angermann, Ute Ammering vom Team kinder.kulinarik.weg.tirol und weiteren Akteur:innen nachhaltiger Ernährungskultur in Bildungseinrichtungen gesetzt. So berichtete Alice Angermann davon, wie Essen neben der Versorgung mit Energie und lebenswichtigen Nähr- sowie Wirk- und Schutzstoffen vor allem auch das körperliche und seelische Wohlbefinden fördert. Es bedeute ein Stück Lebensfreude, denn genussvolle Mahlzeiten sind auch Zeiten der Sinnlichkeit, der Erholung, des Kontaktes und des Austausches mit anderen. Essen - vor allem gemeinsam Essen - definierte sie als beziehungsstarken Moment.

Im Anschluss wurden in Workshops weitere Facetten des Themas behandelt. 

Christine Gelbmann von der AGES - Kompetenzstelle Gemeinschaftsverpflegung sprach in ihrem Workshop zu "Jause & Schulbuffet: Gut versorgt am Wohlfühlort". Egal ob die Jause von zu Hause mitgebracht, auf dem Weg besorgt oder beim Schulbuffet gekauft wird, sie soll Kindern und Jugendlichen die nötige Energie liefern, um konzentriert den Schulalltag zu meistern. Gleichzeitig geht es bei der Pausenverpflegung um weit mehr. Im Fokus des Workshops standen daher sämtliche Erfolgsfaktoren, die zum Gelingen einer gesunden und wohltuenden Pause beitragen.

Alice Angermann, selbständige Diätologin und systemisch-integrative Beraterin, begleitet den kinder.kulinarik.weg schon seit Jahren. In ihrem Workshop „Mehr als satt! Genuss verbindet“ vermittelte sie Grundlagen der Sensorik in der Ernährung – das Erkunden von Lebensmitteln mit allen Sinnen: Riechen, Schmecken, Fühlen, Sehen, Hören. In der Arbeit mit Geruchsdosen, Tastsäckchen und Co entwickelten die Teilnehmer:innen ein Bewusstsein für Texturen, Farben, Gerüche etc. verschiedener Lebensmittel, wodurch sich die Nahrungsaufnahme zu einem sinnlichen Erlebnis wandeln soll, das ein Stück Lebensfreude bedeutet. Denn genussvolle Mahlzeiten sind auch Zeiten der Sinnlichkeit, der Erholung, des Kontaktes und des Austausches mit anderen. 

Petra Obojes-Signitzer vom Tiroler Bildungsforum, Servicestelle Gemeinschaftsgärten stellte in ihrem Workshop "Lernen mit Hand und Herz - Lernort Garten" die Verbindung von Essen zum Garten her und machte die Verantwortung des Menschen im "Netz des Lebens" sichtbar. Sie besprach mit ihren Teilnehmer:innen Möglichkeiten, wie mit Kindern in Bildungseinrichtungen gartenpädagogisch gearbeitet werden kann – ob in (Schul-)garten, Hochbeet, Kistengarten, Pflanztopf oder am Fensterbrett. Dabei orientierte sich die Gruppe an Faktoren des Gelingens und Herausforderungen in der gartenpädagogischen Arbeit. Die flotte Bohne und andere Methoden rundeten den Workshop ab.

Gabriele Bogner-Steiner von der PH Tirol, Initiatorin und langjährige Mitarbeiterin des kinder.kulinarik.weg.tirol stellte in ihrem Workshop „Gemeinsam mehr als satt - zwischen Struktur und Beziehung“ das Verbindende am Essen in den Mittelpunkt. Essbegleitung ist eine pädagogische Aufgabe in Bildungseinrichtungen mit vielfältigem Potential. Damit diese gelingt, gilt es die Interessen aller Beteiligten zu kennen und behutsam unter einen Hut zu bringen: Organisatorische Gegebenheiten, verschiedene Wertesysteme und die ganz konkrete Beziehungsarbeit mit Kindern scheinen dabei häufig im Widerspruch zu stehen. Die Ernährungsexpertin zeigte – u.a. mit Aufstellungen und praktischen Übungen –, wie sich diese Widersprüche überwinden lassen.


Cathrin Reisenauer, Vizerektorin für Forschung und Entwicklung, stellte bei der Eröffnung des Fachdialogs die Bedeutung von Essen in Bildungseinrichtugnen in den Mittelpunkt: „Essen ist weit mehr als Nahrungsaufnahme – es ist Leben, Gemeinschaft und Bildung. Oft wird uns seine Bedeutung erst dann wirklich bewusst, wenn diese Selbstverständlichkeit fehlt. Gerade in Bildungseinrichtungen wird gemeinsames Essen zum Lernraum: für Sprache und Gespräche, für Selbstständigkeit, für Beziehung und Gemeinschaft – für Kinder und Jugendliche ebenso wie für die Pädagoginnen und Pädagogen, die sie dabei begleiten. Der kinder.kulinarik.weg.tirol zeigt, wie ein genussvoller Essalltag aussehen kann, den Kinder aktiv mitgestalten. Denn eine lebendige Ernährungskultur entsteht nicht im Alleingang – sie entsteht im Miteinander.“

Auch Matthias Pöschl, Geschäftsführer Agrarmarketing Tirol, war zur Eröffnung an die PH Tirol gekommen: „Essen in Bildungseinrichtungen bedeutet weit mehr als satt zu werden – es schafft Gemeinschaft, stärkt das Wohlbefinden und prägt Kinder fürs Leben. Wenn wir dabei auf bewusste Einkaufsentscheidungen, Regionalität, Saisonalität und auf das Gütesiegel ‚Qualität Tirol‘ setzen, verbinden wir Genuss mit Verantwortung und machen nachhaltige Ernährung für Kinder unmittelbar erlebbar.“ 

Cornelia Hagele, Landesrätin für Gesundheit, Pflege, Bildung, Wissenschaft und Forschung, begrüßte die Teilnehmer:innen in einer Videobotschaft: „Gesunde Ernährung ist Grundlage für Konzentration, Leistungsfähigkeit und ein gutes Miteinander – und damit auch für einen erfolgreichen Bildungsalltag. Initiativen wie der ‚kinder.kulinarik.weg.tirol‘ schaffen in den Tiroler Bildungseinrichtungen frühes Bewusstsein dafür. Das Projekt unterstützt Schulen und Kindergärten mit Fortbildungen, Beratungen für Betriebe und konkreten Kulinarik-Angeboten. Als Land Tirol setzen wir außerdem mit Programmen wie dem Gütesiegel ‚Gesunde Schule Tirol‘ Impulse, um unseren Kindern die besten Chancen für ein gesundes Aufwachsen zu bieten.“