An der Pädagogischen Hochschule Tirol werden Kindergärten und Schulen in ihren (Qualitäts-)Entwicklungsprozessen durch kompetente Schulentwicklungsbegleiter:innen und Fachdidaktiker:innen unterstützt. Parallel dazu werden diese Schul- bzw. Organisationsentwicklungen und deren professionelle Begleitung aus unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln erforscht.
Sie finden hier einen Überblick laufender und abgeschlossener empirischer Entwicklungs- und Forschungsprojekte, die sich mit dem breiten Spektrum der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung im Kontext von Schule beschäftigen.
Projekte
Die Absicherung von Grundkompetenzen bei allen Schülerinnen und Schülern zählt zu einer der wichtigsten Aufgaben eines Bildungssystems. Verbunden damit sind die Herstellung von mehr Bildungsgerechtigkeit und die gezielte Begleitung von Schulen, die sich in besonders herausfordernden Situationen befinden. Mit der seitens des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (inzwischen BMB) initiierten bildungspolitischen Maßnahme „Grundkompetenzen absichern“ (Gruko) wurde bewusst an diesem Punkt angesetzt. 27 Schulen in Tirol wurden ab dem Jahr 2018 zwei bis drei Jahre von multiprofessionellen Teams, bestehend aus Schulentwicklungsberater:innen, Fachdidaktiker:innen und Schulpsycholog:innen, in der Schul- und Unterrichtsentwicklung begleitet und unterstützt.
Prozess und Wirksamkeit der Schulentwicklungsberatung im Rahmen von Gruko wurden durch zwei vom Tiroler Wissenschaftsfonds (TWF) unterstützte Forschungsprojekte untersucht, die in Kooperation von Pädagogischer Hochschule und Universität Innsbruck durchgeführt wurden.
Gewonnene Erkenntnisse und daraus abgeleitete Implikationen für die Schulentwicklungsberatung werden in der Handreichung „Schulentwicklungsberatung in multiprofessionellen Teams. Chancen und Herausforderungen“ (Rathgeb et al., 2025) präsentiert. Die Handreichung frei zugänglich.
Projektleitung Gruko_EVA: Gabriele Rathgeb
Mitarbeiterinnen: Christine Reiter, Bettina Dimai (ab 2023), Michaela Oberlechner (bis 2023), Verena Guçanin-Nairz
Publikationen:
- Rathgeb, Gabriele; Dimai, Bettina; Reiter, Christine; Jesacher-Rößler, Livia; Harb, Cornelia & Gucanin-Nairz, Verena (2025). Schulentwicklungsberatung in multiprofessionellen Teams. Chancen und Herausforderungen. Handreichung. Pädagogische Hochschule Tirol, Institut für Personal- und Organisationsentwicklung.
- Jesacher-Rößler, L., Rathgeb, G., Reiter, C., & Oberlechner, M. (2024). „Grundkompetenzen absichern“ – Schulentwicklung im Spannungsfeld zwischen Ermöglichung und Verpflichtung. Erziehung & Unterricht: österreichische pädagogische Zeitschrift, 174(1–2), 137–145.
- Dimai, B.; Rathgeb, G.; Jesacher-Rößler, L. (2024). Wer steuert hier wen oder was? Die Übersetzung von Paradoxien in Schulentwicklungsprozessen. Interaktion. Organisation. Zeitschrift für angewandte Organisationspsychologie (GIO). Springer. DOI: 10.1007/s11612-024-00751-7
- Dimai, B., & Rathgeb, G. (2025). Multiprofessionalität als Gamechanger in der Schulentwicklungsberatung. Ergebnisse einer Evaluationsstudie zur bildungspolitischen Maßnahme Grundkompetenzen absichern. In phpublico 15, Schule entwickeln-beraten-führen. PPH Burgenland, 83–90. DOI: 10.5281/zenodo.17576917
Das im Mai 2017 gestartete Projekt „Lehrer:innen-Gesundheit: Gestärkt für den Schulalltag“ hat die verbesserten Arbeitsbedingungen von Kollegien und die Stärkung der persönlichen Ressourcen im Umgang mit den täglichen Arbeitsbelastungen im Fokus. Das Projekt unterstützt Schulleiter:innen und Lehrer:innen dabei, mit sich und den eigenen Ressourcen achtsam umzugehen und dabei die eigene Gesundheit bzw. die Gesundheit der gesamten Schule selbst in die Hand zu nehmen, um das (berufliche und private) Leben gut zu meistern.
Inzwischen (Stand 2020) nehmen bereits 60 Tiroler Schulen – davon 44 Volksschulen, 11 Neue Mittelschulen und 5 andere Schulformen (3 ASO, 1 PTS, 1 BAFEB) – das Unterstützungsangebot in Anspruch. Nach der Interessensbekundung durch die Schulleitung klärt das Projektteam der PH Tirol und der bvaeb in Erstgesprächen an den Schulen die Motivation für die Teilnahme am Projekt, Rahmenbedingungen und Ablauf. Ist die Resonanz im Kollegium (anonyme Abstimmung mindestens 80 %) positiv, kann die Schule am Projekt teilnehmen.
Grundlage bildet eine umfassende Analyse zu Motivation, Engagement, Widerstandskraft und Beschwerden der Lehrer:innen sowie zu deren Arbeitsverhältnissen. Die Ergebnisse werden im Anschluss von Leitung und Kollegium diskutiert. Speziell ausgebildete Moderatorinnen und Moderatoren begleiten diesen Prozess. Gemeinsam werden dann die Maßnahmen für die Unterstützung der Lehrpersonen und die gesundheitsförderliche Gestaltung der Arbeitsverhältnisse abgeleitet und umgesetzt. Gesundheits-expert:innen bringen zusätzliches Expertenwissen im Rahmen von SCHILF an die Schule.
Der große Anklang des Projektes in den Schulen, das hohe gesundheitsförderliche Potenzial sowie die produktive Zusammenarbeit aller Partner belegen die Sinnhaftigkeit und Wichtigkeit dieses Unterstützungsangebots. Sie bestärken das Projektteam der PHT, eine Regelfinanzierung für alle interessierten Tiroler Schulen auch nach dem offiziellen Projektende zu erreichen.
Projektpartner:
- Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau, bvaeb, Landesstelle Tirol
- Fonds Gesundes Österreich, FGÖ
- Land Tirol, Bildungsdirektion, Sanitätsdirektion
Projektleitung:
Birgit Streit
Das Projekt wurde im Jahre 2019 einer Zwischenevaluation unterzogen. Dabei wurden die finanziellen und personellen Ressourcen des Projekts, die Strukturbedingungen als auch die konzeptionelle Aufstellung des Projekts durch die teilnehmenden Schulen bewertet.
Die Evaluationsergebnisse sind in allen Bereichen positiv: Das Projekt weist eine gute finanzielle und personelle Resourcenausstattung auf, die Strukturbedingungen offenbaren eine sehr vorteilhafte Ausgangssituation für die Durchführung der Projektaktivitäten und die konzeptionelle Aufstellung des Projekts trägt den Kontextfaktoren adäquat Rechnung. Dazu zählen ein hoher Grad der Übereinstimmung der organisationalen Ziele der verschiedenen beteiligten Institutionen untereinander mit den Projektzielen, ein schulentwicklerischer Ansatz, ein hohes Commitment der Kollegien, partizipativ erarbeitete Maßnahmen, der Ansatz „Hilfe zur Selbsthilfe“ und eine hohe Transferfähigkeit. Nähere Details zu den Evaluationsergebnissen entnehmen Sie dem pdf.
Ebenfalls wurden im November 2019 die Ergebnisse der IEGL-Erhebungen an den teilnehmenden Tiroler Schulen (2017-2019) präsentiert. Im Rahmen des Projekts füllt jede Lehrperson und Schulleitung das Inventar zur Erfassung von Gesundheitsressourcen im Lehrberuf (IGEL) aus. Dieser Fragebogen besteht aus personenbezogenen (berufliches Bewältigungsmuster, Belastungssymptome, Führungsverhalten) und bedingungsbezogenen (Faktoren, die durch das Kollegium & Schulleitung selbst beeinflusst werden können) Elemente. Aus der Analyse der Daten ergeben sich vier Bewältigungsmuster: Muster Gesundheit (Aktivität, Widerstandskraft, positives Lebensgefühl), Muster Schonung (verhaltenes Engagement), Muster Anstrengung (Neigung zur Selbstüberforderung, Schonungslosigkeit) und Muster Burnout (Erschöpfung, Resignation).
Das der staatlichen Verwaltung unterstehende Bildungssystems setzt verstärkt auf New Public Management Instrument, Output- statt Inputsteuerung und Eigenständigkeit der Akteur/innen. Mit dem Bildungsreform 2017 wurde die Vision der Cluster als regionale Bildungslandschaften, in denen sich die Einzelschule verortet, als ein Instrument der neuen Steuerung im Bildungsbereich im Gesetz verankert.
Zielsetzung dieses Forschungsprojekts ist es, Chancen und Herausforderungen des Transformationsprozesses Clusterbildung herauszufiltern, um daraus Ansatzpunkte für die Begleitung und Gestaltung weiterer Clusterbildungsprozesse abzuleiten. Geplant sind drei deskriptive Cluster-Fallstudien in Nord-, Ost- und Südtirol mit zentralem Fokus auf die Perspektiven der für die Clusterbildung relevanten Akteure, wie Schulleitung, Steuergruppe, Personalvertreter/innen, Elternvertretung, Bildungsdirektion und Schulerhalter. Thematisch stehen die Fragen im Mittelpunkt, welche strukturellen, organisationalen als auch personalen Handlungsfaktoren für ein Gelingen der Clusterbildung tragend sind.
Als analytische, methodologische Basis kommt der interdisziplinäre Ansatz der Educational Governance zur Anwendung, der „das Zustandekommen, die Aufrechterhaltung und die Transformation sozialer Ordnung und sozialer Leistungen im Bildungswesen unter der Perspektive der Handlungskoordination zwischen verschiedenen Akteurinnen und Akteuren in komplexen Mehrebenensystem untersucht“ (Magg Merki/Altrichter 2015: 399). Diese Handlungskoordination umfasst die Akteurs-/Prozessperspektive ebenso wie die Strukturperspektive als wichtige Determinanten von Veränderungen.
Projektleitung: Bettina Dimai
Außerschulische Lernorte sind vor allem in der Naturwissenschaftsdidaktik verbreitet. Es wird vermutet, dass der außerschulische Lernort für eine Steigerung der Motivation, positive Lernemotionen, höhere Selbstwirksamkeit und größeres Interesse effektiver ist als die Schule. Die Begleitforschung wird als Randomized Controlled Field Trial umgesetzt: Schulkassen werden dem Treatment im außerschulischen Lernort, in der Schule oder der Nullkontrollgruppe randomisiert zugeteilt. Es gibt Pre-/Post-/Follow-up Testungen um Zugewinne in Interesse, Lernemotionen und Selbstkonzept zu messen. Eine entsprechend große Fallzahl (15 Schulklassen pro Treatment) vorausgesetzt, werden die Ergebnisse mehrebenenanalytisch untersucht, um der Nestung der Lernenden in den Schulklassen gerecht zu werden.
Befunde aus 19 längsschnittlich angelegten Fallstudien
Ausgangspunkt von SQA sind das Lernen und Lehrern und die damit verbundenen Lernergebnisse und Lernerfahrungen der Schüler*innen an österreichischen allgemeinbildenden Schulen. Diesbezüglich wurden 6 Qualitätsbereiche (Lernerfahrungen und Lernergebnisse; Lernen und Lehrer; Lebensraum Klasse und Schule; Führung und Schulmanagement; Professionalität und Personalentwicklung; Schulpartnerschaft und Außenbeziehungen) definiert. Zur Umsetzung von SQA sind die Entwicklungspläne (EP) und die periodischen Bilanz- und Zielvereinbarungsgespräche (BZG) als tragende Strukturelemente vorgesehen.
Das bm:bwf beauftragte das BIFIE mit der Erstellung eines umfassenden Evaluationskonzepts auf Basis von Fragebogenerhebungen und Fallstudien. Die Fallstudien wurden in Kooperation mit den Pädagogischen Hochschulen und dem BIFIE umgesetzt. Für die PHT arbeiteten Marlies Kranebitter und Judith Graziadei an insgesamt vier Fallstudien mit. Der vorliegende Befund gibt ein umfassendes und vertiefendes standortspezifisches Bild zu den Prozessen, der Akzeptanz, dem Nutzen von SQA, den Hürden der Entwicklungsplanarbeit sowie die auf SQA aufbauenden Tätigkeiten.