Die 5. Innsbrucker Gespräche zur Schulentwicklung finden als bewährte Kooperationsveranstaltung zwischen der Pädagogischen Hochschule Tirol, der Deutschen Bildungsdirektion Bozen und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München statt.

Führungspersonen und weitere Akteur: innen verschiedener Systemebenen im Bildungsbereich widmen sich Themen der Schulentwicklung sowohl auf theoretischer Ebene in Keynotes als auch im praxisnahen Diskurs in unterschiedlichen Denk- und Gesprächssettings.

Ziel der Tagung ist, länderübergreifend Möglichkeiten und Chancen im Umgang mit Grenzen zu identifizieren und die Erkenntnisse z. B. in Bezug auf Konzepte und Strategieentwicklung in die jeweils eigenen Systeme zu übertragen.

Programm:

  • Keynotes
  • Kurzimpulse aus dem Nähkästchen, Assoziationen zu Freiraum und Verbindlichkeit aus Perspektiven verschiedener Akteur:innen.
  • Formelle Gespräche im Dialog, informelle Gespräche im Austausch, Denkräume in den Ländergruppen
  • Abendveranstaltung mit einer Einladung zum Besuch des Tirol Panoramas (Museum und Riesenrundgemälde)

Keynotes

Prof.in Dr.in Bettina Hannover

Verbindlichkeit – Vertrauen – Verantwortung Warum Schulen von mehr Verbindlichkeit profitieren können

Schule hat gegenüber den Lernenden und ihren Familien eine verbindliche Angebots- und Fürsorgepflicht: sie muss qualitätsvollen Unterricht bieten, soziale Integration für alle gewährleisten und Benachteiligungen kompensieren, die Individuen aufgrund ihrer Lernvoraussetzungen und Lebensumstände mitbringen können. Verbindlichkeit gilt jedoch nicht nur für Schule, sondern auch für die Empfänger:innen ihrer Angebote: nämlich die Schülerinnen und Schüler und ihre Erziehungsberechtigten. Für sie besteht die verbindliche Verpflichtung, die bereitgestellten Chancen engagiert und selbsttätig zu nutzen. Es wird die These diskutiert, dass Verbindlichkeit für die Empfänger*innen von Schule derzeit eine zu geringe Betonung erfährt, z.B. sichtbar in gesunkenen Leistungsanforderungen im Bildungssystem, in einem Wandel in der gesellschaftlichen Werteorientierung und in veränderten Erziehungspraktiken der Eltern. Es wird aufgezeigt, dass die Stärkung von Verbindlichkeit wiederum an verschiedene Voraussetzungen geknüpft ist: Schule muss transparent sein und als wohlwollend, fair und vertrauenswürdig wahrgenommen werden. Und die Empfänger:innen müssen der Schule Vertrauen entgegenbringen und Verantwortung für ihr eigenes Handeln und Entscheiden übernehmen. Es wird diskutiert, wie Bildungspolitik, Schulleitung und pädagogische Fachkräfte an Schulen Verbindlichkeit stärken können.

Zur Person:
Bettina Hannover, Diplom-Psychologin, Professorin für Schul- und Unterrichtsforschung Freie Universität Berlin. Langjährige Direktorin der Dahlem School of Education (Zentralinstitut für Lehrkräftebildung), der Jury des Deutschen Schulpreises der Robert-Bosch-Stiftung, des Aktionsrat Bildung und des Fachkollegiums der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Leitung zahlreicher Drittmittelprojekte zu Fragen der akademischen und schulischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Lehrtätigkeit im Lehramt, in Psychologie und Erziehungswissenschaft.

Rektorin Nicola Küppers

Systeme führen – Balancieren zwischen Verbindlichkeit und Ermöglichung Gelungene Schulentwicklung am Beispiel einer Schulpreisträgerschule

In der Keynote werden neben der kurzen Skizzierung der Schulentwicklung an der Grundschule am Dichterviertel und praktischen Einblicken ins Schulleben die dahinterliegenden Governance-Strukturen vorgestellt, die die Transformation der Schule zu einem lernenden System eröffnen. Beziehung, Vertrauen und Ermöglichung sind der Nährboden, der auch Guardrails, Verbindlichkeiten und Agilität benötigt, um Prozesse mit Richtung und nachhaltig steuern zu können.

Zur Person:
Nicola Küppers leitet seit 2013/2014 die Grundschule am Dichterviertel in Mülheim an der Ruhr. Unter ihrer Führung hat die Schule einen bemerkenswerten Wandel durchlaufen: von Schließung bedroht und mit niedrigen Bildungsergebnissen hin zu einer inklusiven Schule, die Bildungsbenachteiligung systematisch minimiert und alle adaptiv fördert. Damit gewann die Schule zweimal den Deutschen Schulpreis. Als Organisationsentwicklerin und Schulberaterin in NRW konzentriert sich Küppers auf Change- und Transformationsprozesse sowie agile Strukturen, um Bildungssysteme zukunftsfähig zu gestalten. Ihre Ausbildung als gestalttherapeutische Beraterin sowie ihre Tätigkeiten in der Universität, im Verlagswesen und in der Erwachsenenbildung unterstützen sie dabei.

Mit freundlicher Unterstützung